Die Rose des Herzens ist die Mystische Pforte
Suchen und Finden auf dem spirituellen Weg sind etwas sehr Persönliches. Jeder hat seine eigene „Geschichte“ wie die mystische Pforte durchschritten wurde. Eine Rosenkreuzerin im Lectorium Rosicrucianum erzählt von ihrem Weg.
Mein bisheriges Leben hatte seinen Sinn verloren, weil etwas Entscheidendes zerbrochen war. Dabei hatte alles so viel versprechend begonnen. Was war falsch gelaufen? Wo lag der Fehler? Wie könnte es weitergehen? Wie könnte ein zukünftiges Leben aussehen?
Gibt es überhaupt irgendetwas,
das unantastbar, absolut und dauerhaft ist?
Eine große Ratlosigkeit machte sich breit, in der sich nur die Sehnsucht nach etwas Unbestimmtem behauptete. Also begann meine Suche.
Neben dem gewohnten Alltag zeigte mein innerer Kompass in die verschiedensten Richtungen. Neue Erfahrungen wurden gesammelt, neue Territorien betreten, neue Menschen getroffen. Vieles bewegte sich. Und eines Tages kam es zu einer Begegnung mit dem Rosenkreuz. Hier in der gnostischen Philosophie des Rosenkreuzes fand ich erstaunliche Hinweise auf einen Seinszustand, in dem das Gesuchte zu existieren schien. Da lohnte sich eine genaue Prüfung. Es folgte ein gründliches Studium der Literatur der Schule des Rosenkreuzes, wobei die anfängliche Vermutung immer gewisser wurde.
Probieren, immer wieder probieren
Geleitet von einer inneren Resonanz und Akzeptanz des Gehörten und Gelesenen stellte sich bei mir der Wunsch nach Umsetzung und Verwirklichung ein. Wie konnte ich die wunderbaren Möglichkeiten in mein Leben integrieren? Wie sollte all das im eigenen Leben Gestalt annehmen? Was war zu tun? Mir schien eine wichtige Entscheidung nötig: mich ganz dem Kraftfeld des Rosenkreuzes anzuvertrauen und den inneren Impulsen zu lauschen.
Eine Phase des Probierens begann: Vom Grübeln zum Spekulieren, vom Forschen zum Zweifeln, vom Jubel zur Zerknirschung, alle Register des inneren Auf und Ab wurden gezogen. Aber statt der ersehnten Ruhe im eigenen Wesen erlebte ich einen mächtigen Sturm. Im Inneren brodelte ein regelrechter Kampf. Mein Wesen schien wie gespalten, wund und verletzlich. Nichts war mehr an seinem Platz. Und das Beunruhigendste: Es gab keine plausible Erklärung für diese Symptome.
Der Eintritt in eine andere Dimension
Schließlich blieb nur eines: die innere Zerrissenheit irgendwie auszuhalten und anzunehmen. So vergingen Monate. Und eines Tages geschah etwas Unerwartetes. Die inneren Turbulenzen ließen nach, und für einen Moment wurde es plötzlich ganz still im Inneren. Da war nichts mehr: kein Gedanke, kein Gefühl, nichts. Nur Stille. Eine unermesslich tiefe Stille. Und diese Stille war unantastbar, sie war absolut. Es musste eine andere Dimension sein: Im eigenen Inneren und doch getrennt von allem, was mein eigenes Wesen ausmachte.
Diese Erfahrung war so überraschend, so neu, so flüchtig und doch so intensiv, dass sie lange nachwirkte. Von nun an stand für mich außer Zweifel: Dieser Punkt der Stille, dieser „Raum“ war das Entscheidende, das wirklich Wichtige. Ihm gebührte alle Priorität.
Die Rose
Die Rosenkreuzer nennen diesen „Raum“ die Rose des Herzens. Es ist der spirituelle, also geistige Funke im Inneren des Menschen, der erwachen muss aus seinem Todesschlaf. Aus ihm wird sich dann alles offenbaren, was zur Verwirklichung eines neuen Seinszustandes nötig ist. Wenn diese Rose erwacht, wird sie sich gleichsam ihrer selbst bewusst und teilt sich dem Bewusstsein des Menschen mit. Dann ist eine wunderbare Verbindung zwischen ihr und der Persönlichkeit entstanden, die das Leben ganz neu erscheinen lässt.
Ein tiefes Gefühl von Liebe und Dankbarkeit breitete sich in meinem Wesen aus, und ich konnte den Pfad der Verwirklichung mit Kraft und Sicherheit betreten.