Mit vier Rosen auf dem Hut beginnt der Weg des Christian Rosenkreuz
Um die Ereignisse der „Chymischen Hochzeit des Christian Rosenkreuz“ von Johann Valentin Andreae breitet sich ein subtil geflochtener Teppich von Symbolen aus. Bis ins kleinste Detail sind darin Hinweise auf den Prozess der Auferstehung des unsterblichen Menschen verborgen. Das gilt auch für die vielen prächtigen Gewänder und ihre Farben. Sie verraten uns, wie es um den Fortschritt der Kandidaten auf ihrem Weg durch das Geschehen steht.
Der erste von sieben Tagen der Alchimischen Hochzeit ist angebrochen. Christian Rosenkreuz – auch Bruder CRC genannt – macht sich auf den Weg zum Königsschloss. Er hat von einem Engel die Einladung zu einer königlichen Hochzeit erhalten, die dort stattfinden soll, und er zieht dafür sein bestes Gewand an. Vor CRC liegt ein weiter Weg, an dessen Ende er nach vielen Erlebnissen und vielen Kostümwechseln zum „Ritter vom Goldenen Stein“ geadelt wird. CRC erzählt:
„Daraufhin bereitete ich mich vor, um mich auf den Weg zu begeben, zog meinen weißen Leinenrock an, umgürtete meine Lenden mit einem blutroten Band und legte es kreuzweise über meine Schultern.“ Was hat es mit diesem Reisegewand auf sich, und warum wird im weiteren Verlauf der Geschichte Kleidern und Gewändern ein so große Bedeutung beigemessen?
Die feinstofflichen Gewänder des Menschen
Gewänder symbolisieren schon seit jeher die feinstofflichen Körper des Menschen, die je nach Seinszustand andere Farben aufweisen. Außer dem physischen Körper, den man mit bloßen Augen sehen kann, besitzt der Mensch noch weitere körperliche „Schichten“, die sich nicht im Schwingungsbereich des sichtbaren Lichts befinden.
Der Äther- oder Lebenskörper enthält dabei den Frequenzbereich der Lebensfunktionen, den Nervenäther. Im Astralkörper ist der Frequenzbereich der Emotionen angesiedelt. Und im Mentalkörper schwingen die noch schnelleren Frequenzen des Denkens. Die feinstofflichen Körper zusammen werden von hellsichtigen Menschen auch als farbige „Aura“ wahrgenommen. Aus diesem Mysterienwissen heraus ist auch die Tradition purpurner Herrschermäntel und priesterlicher Gewänder zu erklären, was den wenigsten Menschen heute noch bekannt ist.
Weiß, rot, golden, schwarz und gelb sind die Kleider, die Christian Rosenkreuz und die anderen Personen im Laufe der sieben Tage tragen. Diese Farben sind der klassischen Alchimie entlehnt. In ihnen bildet sich die Veränderung des Menschen während des Prozesses der großen Verwandlung ab, der Einweihung, die in den feinstofflichen Körpern beginnt und sich schließlich bis in den stofflichen Körper fortsetzt.
Der weiße Leinenrock mit dem blutroten Band
Am Anfang trägt Christian Rosenkreuz einen weißen Leinenrock mit blutrotem Band. Weiß ist die Farbe der Reinheit und Rot die des Blutes. Seine Kleidung beweist, dass er bereits gut vorbereitet ist, als er die Einladung zur Hochzeit erhält. Nur so kann er am zweiten Tag durch die drei Portale in das Schloss eintreten. In demselben Gewand wird er am Beginn des dritten Tages auch gewogen und hält auf der Waage besser als alle anderen Kandidaten den sieben Gewichten stand.
„Das Blut – das ist die Seele“ ist eine Weisheit, die hier gilt. Das Blut ist nicht nur eine Flüssigkeit, sondern es besitzt auch ein feinstoffliches Fluidum, in dem sich die Begierden, Triebe und Gefühle des Menschen konzentrieren. Zorn und Wut bringen das Blut in Wallung, und ein flammendes Begehren hat einen rasenden Blutkreislauf zur Folge. „Ruhig Blut“, ist ein Ratschlag, den wir jemandem geben, der von etwas stark bewegt wird. Von all diesen Bewegtheiten und Gebundenheiten hat Christian Rosenkreuz sich bereits gelöst. Sein (astraler) Blutszustand ist „weiß“, also gereinigt, deshalb trägt er einen weißen Leinenrock mit rotem Band. Durch seine Reinheit hält er den Gewichten – der Prüfung durch die sieben Aspekte des Geistes – stand.
Das rote Samtgewand und der Lorbeerzweig.
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