Wer ist Christian Rosenkreuz?
Christian Rosenkreuz gehört zu den geheimnisvollsten Gestalten der europäischen Geistesgeschichte. Welches Mysterium verbirgt sich hinter diesem Namen?
mehr über "Wer ist Christian Rose ..."!--paging_filter-->
Am zweiten von sieben Tagen der Alchimischen Hochzeit steht die Reise zum Schloss im Mittelpunkt. Hier lesen Sie den Urtext des zweiten Tages aus dem Einweihungsroman von Johann Valentin Andreae (1616). Innerhalb des Textes finden Sie ausgewählte Kommentare aus der esoterischen Analyse von Jan van Rijckenborgh sowie Links zu weiterführenden Artikeln, die von Schülern des Lectorium Rosicrucianum verfasst wurden.
Um dem Online-Leser die Orientierung zu erleichtern, wurden in den Urtext Zwischenüberschriften eingefügt.
Die Buchausgabe in zwei Bänden mit der vollständigen esoterischen Analyse ist erschienen bei:
Rozekruis Pers – Haarlem – Niederlande
Teil 1: Dritte, überarbeitete Ausgabe 1997
Teil 2: Zweite, überarbeitete Ausgabe 1991
Alle Rechte, insbesondere die der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil dieser Texte und Bilder darf in irgendeiner Form durch Druck, Photokopie, elektronische Medien oder irgendein anderes Verfahren ohne vorherige schriftliche Zustimmung des Verlages reproduziert werden.
Kaum war ich aus meiner Zelle hinaus in den Wald gekommen, da schien es mir, als hätten sich der ganze Himmel und alle Elemente für diese Hochzeit geschmückt. Denn auch die Vögel sangen nach meinem Gefühl lieblicher als vorher, und die jungen Hirschlein sprangen so fröhlich umher, dass sie mein altes Herz erfreuten und zum Singen drängten.
So fing ich mit lauter Stimme zu singen an:
Freu dich, du liebes Vögelein.
Deinen Schöpfer hoch zu loben,
erheb' dein' Stimm' nun hell und rein,
dein Gott ist hoch erhoben.
Deine Speise hat er zubereit'
und gibt sie dir zu rechter Zeit,
daran lass dir genügen.
Was solltest du mißmutig sein,
wie solltest Gott du zürnen,
dass er dich ließ ein Vöglein sein.
Willst das Köpflein dir verwirren,
dass er dich nicht als Mensch gemacht?
Oh, schweig, er hat es gut bedacht,
daran lass dir genügen.
Was tu ich armer Erdenwurm,
sollt' ich mit Gott wohl rechten?
Dass ich so in den Himmel stürm',
um mit Gewalt die große Kunst erfechten?
Gott lässt sich doch nicht zwingen,
wer hier nicht taugt, der geh' davon.
O Mensch, lass es dich genügen.
Dass er dich nicht zum Kaiser macht',
ach, lass es dich nicht kränken.
Hättest vielleicht seinen Namen veracht',
drum hatte er Bedenken:
Gottes Augen heller sind,
er sieht dir bis ins Herz hinein,
Gott kannst du nicht betrügen.
So sang ich aus meines Herzens Grund, so dass es überall durch denWald schallte und der Berg mir die letzten Worte zurückwarf. Endlich sah ich eine schöne grüne Heide. Ich verließ den Wald und begab mich dorthin. Auf dieser Heide standen drei schöne hohe Zedern, welche durch ihre Breite einen herrlichen und willkommenen Schatten boten, worüber ich mich sehr freute. Denn obwohl ich noch nicht weit gegangen war, ermüdete mich doch das große Verlangen. Daher eilte ich auf die Bäume zu, um darunter ein wenig zu ruhen.
Als ich aber näher kam, erblickte ich eine kleine Tafel, die an einem der Bäume befestigt war. Darauf standen, wie ich später feststellte, in zierlichen Buchstaben folgende Worte geschrieben:
Gott behüte dich, Gast!
Sollte dir jemals die Nachricht
von des Königs Hochzeit
zu Ohren gekommen sein,
so erwäge die folgenden Worte:
Vier Wege gibt es,
die der Bräutigam dir
durch uns zur Wahl anbietet.
Auf allen vier Wegen kannst du
des Königs Schloss erreichen,
aber nur dann,
wenn du dich nicht auf Abwege verirrst.
Der erste ist kurz, aber gefährlich;
denn er ist voll hoher Felsen,
an denen du nur mit Mühe
vorbeikommen kannst.
Der zweite ist länger,
weil er dich über Umwege,
jedoch bestimmt nicht auf Abwege führt.
Er ist eben und bequem zu gehen,
wenn du dich mit Hilfe des Kompasses
weder nach links noch nach rechts
ablenken lässt.
Der dritte ist der wahrhaft königliche Weg,
auf dem deine Reise durch
verschiedene fürstliche Wohltaten
und Schauspiele verschönert wird.
Allerdings ist er bis heute
kaum einem unter Tausenden geglückt.
Auf dem vierten Weg
ist es keinem Sterblichen möglich,
das Ziel zu erreichen;
denn er ist von verzehrender Kraft,
und nur unvergängliche Körper
können ihn durchstehen.
So wähle denn,
welchen von den drei Wegen du betreten willst,
und weiche dann nicht mehr davon ab.
Wisse jedoch, dass der Weg, den du betreten wirst,
dir durch das unabweisbare Schicksal vorbestimmt ist.
Ferner ist es dir bei größter Gefahr für dein Leben verboten,
auch nur einen Schritt zurückzugehen.
Das ist es, was wir dich wissen lassen wollen.
Schlägst du diese ernste Warnung in den Wind,
dann wirst du inmitten der größten Gefahren
deinen Weg gehen.
Wenn du dich aber auch nur des kleinsten Vergehens
gegen die Gesetze unseres Königs schuldig weißt,
dann kehre lieber um, solange es noch möglich ist,
und eile auf demselben Weg,
auf dem du gekommen bist, nach Hause zurück.