Das lateinische Wort “religio” bedeutet Rück-Bindung, Verbindung mit dem Ursprünglichen. Zu allen Zeiten und in allen Kulturkreisen gab und gibt es Hinweise und Handreichungen darüber, wie diese Verbindung mit dem Quell allen Lebens wieder hergestellt werden kann.
Es gibt einen gemeinsamen Kern der Religionen. Die Beschäftigung mit diesem Thema kann einen Punkt im Menschen berühren, der tief in seinem Inneren verborgen liegt. Von diesem Punkt geht eine unwiderstehliche Sehnsucht nach einer idealen Welt aus, ein Heimweh nach einem verloren gegangenen Glück, nach einem Paradies mit ewigem Frieden und ewiger Liebe.
Durch alle Zeiten und in allen Religionen begegnet man diesem Punkt in unterschiedlicher Symbolik. In den fernöstlichen Mythologien wird er “das köstliche Juwel in der Lotosblüte“ genannt. Die Manichäer sprachen von der “Perle“. In den orphischen Mythen und bei den Gnostikern heißt er “Licht-” oder “Geistfunke”. Meister Eckehart, der große mittelalterliche Mystiker, nennt ihn “Seelenfunke“. In Darstellungen der Sufis und der frühen Rosenkreuzer ist die Rede von der “mystischen Rose“. Die modernen Rosenkreuzer sprechen von der “Rose des Herzens” oder dem “Uratom”.
Dieser Punkt ist zugleich auch der Ausgangspunkt jeder wirklichen “religio“, also der Rückverbindung mit dem Feld des universellen Geistes, dessen Existenz der Mensch in seinem tiefsten Wesen erahnt. Alle Weltreligionen sind primär Wege zu Gott, wodurch das “Göttliche“ in uns wieder die Verbindung zu seiner ursprünglichen Heimat findet. Immer wieder neu wurde und wird der Menschheit der Rückweg in dieses ursprüngliche, göttliche Lebensfeld gewiesen.