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Die Welt ist eine Brücke


Der Mensch soll die Welt durchqueren, ohne ihre Einflüsse festzuhalten. In diesem Übergangsstadium wird er selbst zu einer Brücke. Wenn er es zulässt, wird er Stein für Stein umgebaut, um dem Geistmenschen in sich den Weg zu bereiten.

„Die Welt ist eine Brücke. Geht wie Wanderer über sie hinweg. Hängt nicht an ihr wie Leute, die auf ihr wohnen.“ Dieses Zitat wird in einer indischen Inschrift aus dem 16. Jh. Jesus zugeschrieben.

Eine Brücke, zwischen Himmel und Erde schaukelnd, ist ein einfaches Bild für die unvollkommene Stellung des Menschen und seines Lebensraums. Die Erdenbewohner haben sich in den letzten Jahrhunderten auf dieser Weltbrücke niedergelassen und versucht, sie zu einem annehmbaren Lebensgebiet aufzubauen.

Immer mehr Menschen spüren aber ein Drängen aus den Tiefen ihrer Seele, das sie auffordert: Geh vorwärts, und schau nicht zurück, auch nicht auf das, was du erreicht hast. Diese Menschen sind innerlich bereit, den Weg in neue, unbekannte Gefilde zu betreten.
Sie ahnen, dass Verwandlungen bevorstehen und suchen nach richtungweisenden Visionen.

Die größere Lebensperspektive ist durchaus Teil unseres seelischen Vermögens. Bei manchen Menschen meldet sie sich mit Macht in einer unruhigen Suche, einer Sehnsucht nach gründlicher Neubesinnung.

Wer aber die Brücke verlässt, verliert sich selbst. Die irdischen Persönlichkeiten sind Steine der Brücke und müssen sich mit viel Mühe aus den zahllosen Verhaftungen ihres Wesens lösen. Dann entdecken sie, dass auch der einzelne Mensch, sein Bewusstsein und seine Überzeugungen, auch jede Zelle seines Körpers, eine kleine Brücke bilden, einen Übergang zu einem höheren Menschsein.

Aber es bleibt nicht beim Übergang, man verkörpert nicht nur Zukunftshoffnung, sondern dem Geistmenschen wird der Weg bereitet. Dazu muss der jetzige Übergangszustand verschwinden und der Realisierung des neuen Menschseins Platz machen. Die Brücke wird Stück für Stück systematisch abgebrochen und die umgearbeiteten Teile werden in ein neues Weltengebäude eingehen – sofern das Bewusstsein dazu bereit ist, die Veränderungen zuzulassen und dabei auch mitzuarbeiten.

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